IFA 2025 in Berlin - Bild und Ton
München [ENA] Am Ende waren alle zufrieden: Mehr Innovation, mehr Produktneuheiten, mehr Content, mehr Publikum. Die IFA 2025 war ein schöner Erfolg mit einem weiterentwickelten Angebot, den Innovation Awards, dem Beauty Hub, dem Creator Hub und einem Parcours für E-Roller.
Bei Bildschirmen und Projektoren wächst das Angebot gewissermaßen in die Breite, übrigens auch, was die schiere Größe betrifft. Man ist jetzt bei 115 Zoll Diagonale angelangt. Sharp überwältigt sogar mit 136 Zoll. Das ist dann kein Einrichtungsgegenstand mehr, sondern das Zimmer wird um diese Bildfläche herumgebaut. Die Bilderzeugungstechnik ist seit Einführung der Quantenpunkte in einem Meer zahlreicher neuer und proprietärer Abkürzungen unüberschaubar geworden. Jetzt ist gerade die Aufwertung der Hintergrundbeleuchtung durch farbige, also RGB-LEDs angesagt. Davon verspricht man sich eine genauere Farbwiedergabe - und vielleicht einen kostengünstigeren Weg zur Bildverbesserung als an die Bildpixel selbst Hand anzulegen.
Bei Hisense beispielsweise spricht man von 3x10.000 Dimming-Zonen - Zweck: "see the unseen" -, bei Samsung von einer Micro-RGB-Technologie und der "Power of color". Tatsächlich sieht man überall prunkvolle Farben, die zu einer hyperrealistischen Ästhetik gehören, zu der die Fernsehzuschauer offenbar gerade erzogen werden. Bei jedem Hersteller sieht das Bild sozusagen überwältigend gut aus, weil inzwischen ein hohes Qualitätsniveau erreicht ist.
Man darf auch nicht außer Acht lassen, daß hier gewissermaßen auf einer virtuellen Ebene agiert wird, denn die hier zu Grunde gelegte Auflösung von 4k ist ja bis auf weiteres im Fernsehalltag nicht sendbar. Man hat es also schon vom eingespeisten Signal an mit Extrapolationen zu tun und einem weitgehenden Gestaltungs- und Interpretationsspielraum, in dem letztlich Geschmackspräferenzen den Ausschlag geben. Als objektive Entwicklungsziele bleiben hauptsächlich die Erweiterung des bisher begrenzten Kontrastumfangs und des bestenfalls zu gut 80% abgedeckten Farbraums BT2020.
Im unmittelbaren Vergleich verschiedener Geräte lassen sich dann doch Unterschiede ausmachen. Gelegenheit hierzu bot ein Workshop, den Philips für einen kleinen Kreis anbot und in dem ein maßgeblicher Produktentwickler das neue Flaggschiff OLED+ 950 mit Konkurrenz von Samsung und LG verglich. Daß das Philips-Gerät dabei am besten abschnitt, brauchte nicht zu verwundern, doch lehrreich war es, die zahlreichen Einstellmöglichkeiten und Parameter zu sehen, die ein Fernseher heute hat und einen kundigen Benutzer erwarten.
Quasi außer Konkurrenz - obwohl die anderen Hersteller die Technik ebenfalls beherrschen - präsentierte LG den durchsichtigen Fernseher Signature T (vermutlich Abkürzung für transparent), der denn auch einen Innovationspreis gewann. In einer gewöhnlichen Wohnumgebung dürfte sich der praktische Nutzen in Grenzen halten. Welchen Mehrwert hätte ein Durchblick auf die dahinterliegende Schrankwand? Daher inszeniert LG das Luxusgerät in einer Luxusvilla direkt am Wasser und mit Blick auf die freie Natur.
Daneben gibt es allerlei Projektoren, entweder mit Laser und meist als Kurzdistanzprojektoren, oder mit LED-Lichtquellen und verblüffend klein und klappbar (Aurzen). Auch die VR- oder AR-Brillen entwickeln sich weiter und werden von etlichen Firmen angeboten, mal die RayNeo von TCL, die mit HD-Auflösung für Spiele und Filme prädestiniert ist, oder die Rokid AR Spatial oder recht einfache Brillen, in die monochromer Text eingeblendet wird, etwa von automatischen Übersetzungen.
KI ist inzwischen auch bei den normalen Fernsehen zu einer neuen Funktion herangereift und nicht mehr nur, wie bisher, im Hintergrund mit Skalierung und Extrapolation von Auflösung beschäftigt. Mit dem in der Fernbedienung eingebauten Mikrophon kann man den Fernseher, d.h. die dahinterliegende KI, wie einen ChatBot nach beliebigen Dingen, etwa zum Sendungsinhalt, befragen; bei Samsung heißt er AI Companion. Was man von Youtube schon länger kennt, automatische Übersetzungen als Untertitel/Transkript, beherrscht nun auch der Fernseher.
Etwas zum Hören
Das Audio-Segment in der Unterhaltungselektronik erlebt eine zaghafte Wiederbelebung, allerdings nur in der Nische und von kleinen Firmen. Heute von Hi-Fi zu reden, klingt unvermeidlich gestrig, und was nun auf den Markt kommt, ist es leider auch. Da sieht man Plattenspieler im Retro-Design, und eine solche Anlage mitsamt bluetoothfähigem Verstärker (z.B. für Bluetooth 5.1 Streaming) heißt beispielsweise Record Player. Auch die Henkelware kommt wieder, tragbare Radios mit Kassettenrekorder. Derartige Irrationalitäten lassen sich nur noch mit Lebensstilpräferenzen erklären oder als bedauernswerte Versuche von Individualisierung deuten.
Und wie stets bei Nostalgiewellen, werden die Produkte nicht von denen nachgefragt und für die hergestellt, die jene Zeit selbst erlebt haben, sondern von der übernächsten Generation, für die es dann ein Distinktionsmerkmal ist. Daß nun auch wieder Lautsprecher als Einzelobjekte gebaut werden, vielleicht in dekorativeren Gehäusefarben als früher und mit neueren Schnittstellen, wirkt in der heutigen Soundbar-Monokultur fast revolutionär. Die Ausmaße bleiben indes bescheiden und riskieren nicht die enorme Raumverdrängung, die in der Hifi-Ära üblich war, als metergroße Boxen noch als klein galten.




















































